• Claudia Traxl

Dornröschen-Koma oder die Sache mit dem ungenutzten Potenzial

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Dornröschen macht es uns vor... Sie lässt sich Zeit, viel Zeit, 100 Jahre ruht sie während ihrer inneren Reifung, lässt diese ganz allein geschehen. Quasi im Schlaf... Und doch ist sie, wenn es drauf ankommt, zur richtigen Zeit genau am richtigen Ort, um von ihrem Prinzen gefunden zu werden. Aber wie schafft sie das? Und wozu dient dieser lange Schlaf? Ist das nicht eine ungeheuerliche Zeitverschwendung?


Was könnte sie in der Zwischenzeit nicht alles anstellen? Welche Erfahrungen lässt sie sich entgehen? Wie viel könnte sie über sich und das Leben lernen? Sich selbst optimieren, das richtige Mindset zurechtlegen und dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wäre sie optimal auf das Leben vorbereitet, das nun endlich beginnen könnte. Oder macht sie es ganz richtig, indem sie sich vertrauensvoll in die Hände der Göttin oder der alten Weisen begibt, um in ihrer Obhut zu schlafen?


Wer ist lauter? Das Herz oder der Kopf?

Vielleicht würde sie am Ende ihren Prinzen verpassen, wenn sie sich in der Zwischenzeit so viel Wissen angelesen hätte und so viele Theorien zur Persönlichkeitsentfaltung studiert hätte, dass die leise innere Stimme aus ihrem Herzen nicht mehr gegen die kluge Wissenschaft angekommen wäre? Vermutlich hätte sie unzählige Erfahrungen gemacht, hätte sich tief in ihre selbst gestrickten Geschichten verheddert und würde vielleicht die Rosen vor lauter Dornen nicht mehr sehen.


Und ewig grüßt die Dornenhecke

Vielleicht wäre ihr auf ihrem Weg sogar das Vertrauen in das Leben und in sich selbst verloren gegangen, wäre sie mit voller Absicht und völlig erwachtem Bewusstsein in jede nur mögliche Falle getappt, um ihre Erfahrungen zu sammeln. Manchmal ist es im Leben gut und heilsam, dass wir nicht alles, was uns zufällt, in völlig erwachtem Bewusstsein erleben. Sonst würden wir am Ende verzweifeln, statt vertrauen. Unser innerer König würde sich mit aller Macht dagegen wehren und gegen sein Schicksal ankämpfen. Am Ende würde er allerdings doch klein beigeben müssen, weil es vor der Schicksalsweberin kein Entrinnen gibt.



Loslassen und Vertrauen

Dornröschen erzählt uns eine Geschichte über das Urvertrauen. Kinder haben dieses Bewusstsein über die göttliche Quelle meist noch nicht verloren. Doch sobald wir in das Erwachsenen-Alter eintreten und die ersten prägenden Erfahrungen machen, negativ wie positiv, verblasst dieses Bewusstsein und wir beginnen, uns allein zu fühlen, abgeschnitten und verlassen. Nur der Schlaf ermöglicht uns kurzfristig eine Wiederanbindung. Aber auch im Leben können wir dieses Bewusstsein wieder finden, wenn wir lernen, die Dinge aus der Vogelperspektive zu betrachten, im Loslassen und im Vertrauen darauf, dass unsere Geschicke zu unser aller Wohl an einer höheren Stelle gelenkt werden.


Lernen wir wieder vertrauensvoll und friedlich zu schlafen. Vielleicht würde es uns dann auch gelingen, uns endlich selbst zu vertrauen. Wir könnten in unsere wahre Schöpferkraft vertrauen und uns auf unseren eigenen Herzensweg konzentrieren, anstatt uns im Kampf der Welten zu verlieren. Wir könnten unsere Fähigkeiten als göttliches Geschenk betrachten, das wir zu unserem und dem Wohle aller einsetzen dürfen. Wir könnten den Schlaf als willkommene Erholung für unsere Seele genießen.


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